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Bildstock "Mutter Anna" in Latrop-Buttersiepen

Geschichtliches und Überliefertes - Josef Schöllmann und Hans-Robert Schrewe

Viele Latroper fahren fast täglich an dem auf der Grenze des heutigen Hausgrundstücks der Familie Lepping zur Gemeindeverbindungsstraße nach Fleckenberg in Buttersiepen stehenden Bildstock "Mutter Anna mit Kind" vorbei, ohne wahrscheinlich dessen Geschichte bzw. Sinn zu kennen. Ebenso ergeht es sicher vielen Wanderern, Gästen und Besuchern Latrops.

Nachstehend soll daher versucht werden, die Geschichte des Bildstocks, soweit heute nach möglich, nachzuvollziehen, wobei besonders mündliche Überlieferungen älterer Bewohner Latrops die Grundlage bilden.

Figürlich dargestellt ist in diesem Bildstock die Mutter Anna, die ihr Kind Maria, die spätere Gottesmutter, auf dem Schoß hält. Die Errichtung des Bildstockes ist in der Zeit der ersten Ansiedlung in Buttersiepen zu vermuten. Dieser Bereich in Buttersiepen an der Verbindungsstraße nach Fleckenberg trägt noch heute in Karten die Bezeichnung "Beim Schmallenberger Haus". Da sich der Waldbesitz der 1 244 mit Stadtrechten ausgestatteten Stadt Schmallenberg von Schmallenberg aus bis nach Buttersiepen und noch weiter bis zur Grenze unterhalb des Rothaarkamms erstreckt, liegt die Vermutung nahe, daß hier im 13. oder 14. Jahrhundert Gebäude, z. B. für Köhler, Schäfer usw. errichtet worden sind. Nicht von ungefähr kam es ja in den Jahren von 1618 bis 1630 zum Rechtsstreit zwischen der Stadt Schmallenberg und dem Kloster Grafschaft vor dem Kurkölnischen Offizialgericht in Werl über die Nutzung der Weideplätze und der Waldungen im Latroptal. Nach diesem Kurzausflug in die Geschichte der Entstehung der Ortschaften im Latroptal nun zurück zum Bildstock "Mutter Anna mit Kind". Wie nach Überlieferungen einige ältere Bewohner Latrops bzw. Buttersiepens erzählten, soll dieser Bildstock vor allem aus Aberglauben errichtet worden sein. Man glaubte damals, daß es an dieser Stelle "spukte". Begründet wurde das Vorhandensein des "Spuks" damit, daß die Pferde, die die schwer beladenen Holzwagen zogen, hier trotz Peitschenschlägen nicht weitergingen. Angemerkt sei hierzu, daß die heutige Teerstraße damals ein unbefestigter Weg war und gerade im Bereich dieser Steigung tiefe Fahrrinnen aufwies. Es ist daher zu vermuten, daß die Pferde deshalb überansprucht waren und nicht wegen dem "Spuk" stehenblieben.

Der Bildstock wurde dann wahrscheinlich zum Vertreiben dieses "Spuks" von den Bewohnern Buttersiepens oder evtl. von den Fuhrleuten selbst?) an der heutigen Stelle errichtet. Daß der "Spuk" damals insbesondere aus Sicht der Kirche ein Glaubensproblem darstellte, ist naheliegend. So wurde auch überliefert, daß die Figur aus dem Bildstock des öfteren entwendet worden sein soll, aber immer wieder zurückgestellt wurde. Es kann vermutet werden, daß die Figur somit auch für private Beschwörungen im Glauben an den "Spuk" verwandt worden ist.

Aus der Zeit des "Spuks" und der Errichtung dieses Bildstocks stammt wahrscheinlich auch die noch heute bekannte Bezeichnung "Hexenplässken" (Hexenplätzchen) für den kleinen ebenen Grundstücksstreifen, gelegen rechtsseitig unmittelbar an der Straße in Buttersiepen, direkt oberhalb des heutigen Hauses Claessen (früher Bartmann). Dieses Grundstück wurde bis zum 2. Weltkrieg von der Familie Hennecke Backes) als Garten genutzt, woran sich sicher die älteren Latroper noch gut erinnern können.